Gemeinde Hiddenhausen - Haus Hiddenhausen

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Haus Hiddenhausen

Bild von Haus HiddenhausenDer zweite Adelssitz in Hiddenhausen liegt an der Maschstraße. Seit über 300 Jahren befindet er sich im Besitz der Familie von Consbruch. Über die Anfänge des Gutes ist wenig bekannt.
Soweit ersichtlich, hat die Familie Nagel, die seit 1443 Pfandinhaber in Bustedt war, die Voraussetzungen geschaffen. Ludecke Nagel und seine Nachkommen kauften in Hiddenhausen und Umgebung Bauernhöfe und Grundrenten (Zehnte), wo immer sich die Möglichkeit bot. So entstand eine neue Grundherrschaft, das Fundament für einen Adelssitz. Das älteste Herrenhaus stammt wohl auch aus dieser Zeit; denn als 1562 die Witwe des letzten Pfandinhabers Alhard Nagel Bustedt räumen musste, fand sie in Hiddenhausen eine neue, standesgemäße Bleibe. Bis zu ihrem Tod im Jahr 1576 hat sie hier gelebt. In der Hiddenhauser Kirche wurde sie begraben. Ihr Epitaph steht heute im Innenhof des Gutes Bustedt.

Im Jahr 1647 starb der letzte Besitzer aus der Familie Nagel, ohne leibliche Erben zu hinterlassen. „Haus Hiddenhausen" erbte die Nichte Adelheid von Walrabe, die mit D. F. von Groll zum Kloster verheiratet war. Mit der Verwaltung des Besitzes wurde Otto Consbruch beauftragt, der die Stellung eines „Amtmanns von Enger" bekleidete. 1701 konnte H. D. Consbruch, Ottos Sohn, die „Grollschen Güter" erwerben. Bis zum heutigen Tag ist - wie schon erwähnt - „Haus Hiddenhausen" im Besitz dieser Familie geblieben.

Portrait von Otto ConsbruchMit Otto Consbruch wurde ein Zweig der aus Brockhagen stammenden Familie in Hiddenhausen sesshaft. In ununterbrochener Folge, 6 Generationen nacheinander, amtierten die Consbruchs als „Amtmann von Enger". Ihr Verwaltungsbereich erstreckte sich über die Gemeinden Spenge und Hiddenhausen sowie über die Stadt Enger. Ihre Befugnisse gingen weit über den heute üblichen Verwaltungsbereich hinaus. Sie mussten sich auch als Notar, Schiedsmann und Richter betätigen. Weil „geeignete Lokalitäten" in Enger fehlten, blieb „Haus Hiddenhausen" lange Zeit Verwaltungsmittelpunkt, weshalb sich auch zu dieser Zeit der Name „Amtshaus" einbürgerte. - Auch nach dem Zusammenbruch des alten Reiches im Jahr 1806 blieb die Familie Consbruch dem preußischen Staat verbunden. Söhne aus diesem Haus dienten der Allgemeinheit in unterschiedlichen Funktionen. 1888 wurde die Familie Consbruch nobilitiert.

Die heutigen Gebäude stammen teils aus dem 17., teils aus dem 18. Jahrhundert. Sie sind - und das ist das Besondere daran - nach Bauprinzipien aus der Barockzeit errichtet. Den Mittelpunkt bildet das zweigeschos-sige, noch aus dem 17. Jh. stammende Herrenhaus. Die Zufahrtsachse zum Herrenhaus flankieren zwei lang gestreckte Fachwerkscheunen. Ein drittes Fachwerkhaus, weiter nördlich gelegen, ist dem Herrenhaus annähernd radial zugeordnet. In den 3 Wirtschaftsgebäuden, die aus dem 18. Jh. stammen, spiegelt sich die wirtschaftliche Bedeutung der Besitzer wider. Als „Amtmann von Enger" erhielten sie von jedem Altbauern jährlich „8 schoff Stroh"; ; dazu kamen die „Zehnten" aus Hiddenhausen, Oetinghausen und Eilshausen sowie die Getreideabgaben der eigenen Grundherrschaft. Das nördlich gelegene Fachwerkhaus, als Durchfahrtsscheune errichtet, bewohnte wohl auch der Verwalter. Im Giebel des Hauses hängen 2 Glocken aus dem 18. Jahrhundert, die früher den Heuerlingen Beginn und Ende der Arbeitszeit verkündeten.

Historisches Bild einer Scheune vom Haus Hiddenhausen - heute das HolzhandwerksmuseumSeit Beginn des 20. Jahrhunderts steht „Haus Hiddenhausen" mit dem alten Baumbestand im Park wegen seiner kulturgeschichtlichen Bedeutung unter Denkmalschutz.

Aus der ehemaligen Scheuen ist seit einigen Jahren die Heimat des Holzhandwerksmuseums Hiddenhausen geworden.
 
Literatur:
Griese, Gustav Heinrich: Die Wittekindstadt Enger und die Dörfer und Bauernhöfe in den Kirchspielen Enger und Hiddenhausen, Bünde 1934.
Von Consbruch, Leopold: Die Entwicklung des Dorfes Hiddenhausen, Hiddenhausen 1950.
Hüllinghorst, Bernd, Die „Consbruch"-Protokolle: Eine einzigartige Quelle für die Geschichte Ravensbergs im 17. Jahrhundert - in: Der Minden-Ravensberger 1990.